Freitag, 24. Januar 2014

Aller Anfang ist schwer...



Wie alles begann:

Ich sah von meinem Buch auf und seufzte. Hier war ich nun und saß auf einer Bank auf Bahnsteig 5 am King's Cross Bahnhof in London und wartete auf meinen Zug nach Dover. Von dort aus würde es mit der Fähre nach Calais gehen, dann nach Hamburg und morgen früh wäre ich dann Zuhause. Das Wetter spiegelte meine Stimmung wieder. Es war trüb und kühl. Der Abschied von London fiel mir schwer. Ich hatte eine tolle Zeit gehabt. als ich am Bahnhof angekommen bin, habe ich mir sogar den Spaß gegönnt und mich an das Gleis 9 3/4 gelehnt. Natürlich ist nichts passiert, aber das hatte ich auch nicht erwartet. Außerdem war Oktober. Ein lächeln glitt über mein Gesicht. Cool wäre es schon gewesen! Ich blickte wieder auf mein Buch, "Harry Potter und der Gefangene von Askaban“, wo Sirius Harry gerade von dessen Eltern erzählte. Auf einmal wollte ich alles ändern. Ich wünschte mir so sehr dort gewesen zu sein und den Tod all dieser Menschen zu verhindern. Ein heftiges Schwindelgefühl überfiel mich und mein Buch entglitt meinen Händen. Ich schloss meine Augen ganz fest und meine Hände umklammerten die Kanten meines Sitzplatzes. Ein paar Sekunden später ließ der Schwindel nach und ich öffnete vorsichtig die Augen. Die Sonne schien und ein kühler Wind blies.
Verwirrt sah ich mich um. Ein paar Meter entfernt stand eine junge Familie die mir vage bekannt vorkam. Ich wollte mich nach meinem Buch bücken, musste aber feststellen, dass es verschwunden war. Meine Verwirrung nahm zu, aber ich wurde von dem jüngsten Mitglied der jungen Familie abgelenkt, der gerade an mir vorbeilief, seinerseits abgelenkt von einem Schmetterling. Seine Eltern begrüßten gerade einen Freund und hatten das verschwinden ihres Sohnes noch nicht mitbekommen.
Er kam den Schienen immer näher und in diesem Moment hörte ich das Rauschen eines herannahenden Zuges. Mein Blick flog zu dem Zug der immer schneller näher kam und mir wurde bewusst, das er nicht halten würde. Ich traf eine Entscheidung und lief zu dem jungen. Im selben Moment, in dem ich ihn in meine Arme nahm und mich mit ihm im Arm an irgendetwas festklammerte, hörte ich eine Frauenstimme „Harry“ rufen. Der Fahrtwind riss mir die Beine weg. Ich hatte ein Deja Vue, aber ein stechender Schmerz verbannte jeden Gedanken. Meine Beine waren gegen irgendetwas geknallt. Ich kniff die Zähne zusammen und hielt den jungen fest. Immer wieder spürte ich wie meine Tasche im Fahrtwind gegen mich schlug und mein rechter Arm sprang aus dem Gelenk. Mir wurde schlecht von den Schmerzen. Dann war es auf einmal vorbei. Der Sog ließ nach und meine Beine gaben unter mir nach. Ich achtete darauf den Jungen nicht unter mir zu begraben und sah seine Mutter auf mich zukommen. Ich versuchte wieder aufzustehen und schaffte es auch. Sie nahm mir den Jungen vorsichtig aus dem Arm und sie und ihr Mann waren sichtlich froh, dass es ihm gut ging. Ich hörte ein leises: „Mach so was nie wieder, Harry!“ und musste leicht lächeln. Der andere Mann sah mich an. „ Ich danke ihnen, dass sie meinen Patensohn gerettet haben!“ Er zögerte. „ Geht es ihnen gut?“ Ich wollte schon nicken, als die Wirkung des Adrenalins nachließ und der Schmerz mit voller Wirkung zuschlug. Ich hörte nur noch „Sirius, bring sie ins Krankenhaus“, bevor alles Schwarz wurde.